Erziehung in einer Tagesgruppe

Erziehung in einer Tagesgruppe ist eine Hilfe zur Erziehung, die als teilstationäres An­ge­bot zwischen den ambulanten und den stationären Hilfen für Kinder und Ju­gend­li­che angesiedelt ist. Sie soll als flexibles und bedarfsgerechtes Angebot die pä­da­go­gi­schen und thera­peu­tischen Möglichkeiten einer stationären Einrichtung mit den Vorteilen einer ambulanten Hilfe, das heißt Orientierung an der Lebenswelt des Kindes und Verbleib in seiner Familie, verbinden. Im Hilfeplan gemäß § 36 SGB VIII sind Notwendigkeit und Eignung sowie Zielsetzung der Hilfe dokumentiert und werden regelmäßig fort­ge­schrie­ben.

Rechtsgrundlage


Die Erziehung in einer Tagesgruppe unterstützt die Entwicklung von Mädchen und Jungen durch soziales Lernen in der Gruppe, Begleitung der schulischen Förderung und Arbeit mit der Familie. Nach Möglichkeit soll hierdurch der Verbleib des Kindes oder Jugendlichen in seiner Familie ermöglicht werden. Die enge Zusammenarbeit der Fachkräfte mit der Schule und dem Elternhaus, um die dortigen Erziehungsbe­dingungen zu verbessern, ist für diese Hilfeart elementar. Methodisch vereinigt die Erziehung in einer Tagesgruppe Handlungsstrategien der Gruppenpädagogik mit pädagogisch-therapeutischen Individual­leistungen sowie Elementen eines auf den Einzelfall bezogenen sozialräumlichen Handelns. Zielgruppen sind in der Regel Kinder und Jugendliche ab dem Schulalter mit signifikanten Entwicklungsver­zögerungen oder Verhaltensauffälligkeiten.

Die Hilfe kann in Gruppen einer Einrichtung, aber auch in geeigneten Formen der Familienpflege geleistet werden. Bei der Erbringung der Hilfe in einer Pflegefamilie ist auf eine Abgrenzung zur Tagespflege nach § 23 SGB VIII als Förderangebot zu achten.

Aufgaben des Landesjugendamtes

Das Landesjugendamt berät und qualifiziert die örtlichen Träger und Fachkräfte der Jugendhilfe bei der Planung und Sicherstellung eines bedarfsgerechten Hilfeangebots sowie im Hinblick auf etwaige Modellvorhaben. In besonders schwierig gelagerten Einzelfällen ist das Landesjugendamt bei der Auswahl einer geeigneten Einrichtung oder Pflegestelle behilflich.

Im Jahr 2011 wurden vom Bayerischen Landesjugendhilfeausschuss Fachliche Empfehlungen zur Erziehung in Tagesgruppen gemäß § 32 SGB VIII verabschiedet. Die Empfehlungen richten sich an Jugendämter wie teilstationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe und beschreiben die wesentlichen fachlichen Standards eines gelingenden Hilfeverlaufs. Sie sind sowohl Orientierungsgrundlage für den Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen gemäß §§ 45 ff. SGB VIII als auch Informationsgrundlage für die Vereinbarungen von Leistungsangeboten, Entgelten und Qualitätsentwicklung gemäß
§§ 78a ff. SGB VIII.

Fachbeiträge und Publikationen

Veröffentlichungen des Landesjugendamts

ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt: Rechtsanspruch auf Hilfe zur Erziehung verteidigen durch Qualifizierung der Steuerungs­prozesse in der Einzelfallhilfe; Jahresbericht 2011, S. 36 – 52; München 2012
Das Dokument wird demnächst barrierefrei eingestellt.

ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt: Fachliche Empfehlungen zur Erziehung in Tagesgruppen gemäß § 32 SGB VIII;
Beschluss des Landesjugendhilfeausschusses vom 06.10.2011.
Der Beschluss ist auch als Sonderdruck (nicht barrierefrei); ZBFS - Bayerisches Landesjugendamt Mitteilungsblatt 6/2011 erhältlich.