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I N F O

Darum ging es bei der 3. Fachtagung Jugendschutz

und Nutzerkompetenz der Bayerische Landeszen-

trale für neue Medien (BLM) in München, die „Kata-

strophen und Krisen in den Medien“ zum Thema

machte. Dabei wurde sowohl die Perspektive der

Medienschaffenden, also Journalistinnen und Jour-

nalisten beleuchtet, als auch die der jungen Zu-

schauer vor dem Fernseher.

Fachtagung Jugendschutz und Nutzerkompetenz der BLM in Mün-

chen © Stefan Heigl

Wie verändert sich die Berichterstattung

durch Social Media?

Dr. Stefan Leifert, Korrespondent des ZDF im Studio

Brüssel, macht deutlich, wie die sozialen Medien

den Nachrichtenjournalismus verändert haben. Un-

gefiltert werden nun im Netz Bilder von Anschlägen

veröffentlicht, die früher durch Journalistinnen und

Journalisten als „Gatekeeper“ der Medien ausge-

wählt und in einen Kontext gebracht wurden. In

Echtzeit können sich die Menschen weltweit infor-

mieren. Dadurch entsteht ein schmaler Grat für

Journalisten und Nachrichtenredaktionen: Zum

einen ist eine zeitnahe Berichterstattung notwendig

und von den Zuschauern erwünscht, auf der ande-

ren Seite stellt sie die Frage nach der Qualität der

Bilder. Sind stundenlange Liveschaltungen wirklich

nötig, wenn es keine neuen Erkenntnisse gibt? Lei-

fert selbst war hautnah am 22.03.2016 in Brüssel

dabei, als die Anschläge am Brüsseler Flughafen

und in der Innenstadt verübt wurden. Besonders in

Erinnerung ist ihm dabei ein Moment, als er in einer

Liveberichterstattung über die aktuelle Lage berich-

tet, während hinter ihm die Leichenwagen vorbei-

fuhren. Zusammenfassend sagt er deshalb:

„Journalismus sollte nicht schneller sein als er gut

sein kann. Sonst unterscheiden wir uns in nichts

von dem, was im Netz passiert.“

Dr. Torsten Rossmann, Geschäftsführer der WeltN24

GmbH, sieht die Entwicklung im Bereich Social

Media ähnlich kritisch. Die Kommunikation im Netz

ist deutlich schneller als das, was die Medien liefern

können. Er selbst sieht die Grenze der Berichterstat-

tung dort, wo die Menschenwürde beginnt. Diese ist

jedoch in der Hektik des Geschehens oft nicht immer

zu wahren.

Von dieser Überforderung der Medien mit der Echt-

zeitkommunikation referiert im Anschluss Prof. Dr.

Alexander Filipovi

ć

von der Hochschule für Philoso-

phie in München. Er macht klar, dass die Medien ei-

gentlich eine Integrationsfunktion haben und damit

identitätsstiftend sind. Aufgabe der Medien ist es,

Orientierungslosigkeit in Ordnung zu verwandeln. In

Zeiten von Social Media kommen diese Informatio-

nen jedoch ungefiltert an.

Marcus da Gloria Martins, Leiter der Presse- und

Öffentlichkeitsarbeit am Polizeipräsidium München,

hat während des Polizeieinsatzes am Tag des Amok-

laufs in München am 22.06.2016 die Bevölkerung

Marcus da Gloria Martins © Stefan Heigl

MITTEILUNGSBLATT

02-2017