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nären Kinder- und Jugendhilfe positionieren. Der LHR
Bayern wird jeweils für ein Jahr auf der Jahrestagung
IPSHEIM gewählt. IPSHEIM ist die Abkürzung für die
landesweite Jahrestagung für Partizipation in der sta-
tionären Kinder- und Jugendhilfe in Bayern: Initiative
PartizipationsStrukturen in der HEIMerziehung. IPS-
HEIM findet jedes Jahr kurz vor den Sommerferien für
vier Tage in Ipsheim in Mittelfranken statt. Teilnehmen
dürfen an der Tagung Kinder, Jugendliche und junge
Volljährige aus bayerischen Heimen, die sich in ihren
Einrichtungen für Mitsprache und Beteiligung engagie-
ren (z. B. Heimrätinnen und Heimräte, Gruppenspre-
cherinnen und Gruppensprecher). Alle jungen Men-
schen, die an IPSHEIM teilnehmen, sind wahlberech-
tigt. Alle Teilnehmenden, deren Jugendhilfemaß-
nahme voraussichtlich noch mindestens ein Jahr an-
dauert, können sich als Kandidatin oder Kandidat für
die Wahl aufstellen lassen und sind dann wählbar. Fi-
nanziert wird der LHR Bayern vom Bayerischen Staats-
ministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Inte-
gration. Vergleichbare Gremien existieren in Deutsch-
land lediglich in Hessen und Bayern.
Vor diesem Hintergrund wurde von der Hochschule
Landshut (HAW)/Fakultät Soziale Arbeit Anfang 2015
aktiv ein Antrag auf Forschungsförderung an das Lan-
desjugendamt Bayern gestellt, um Jugendliche und
Einrichtungsleitungen in bayerischen Heimen und Ju-
gendwohngruppen schriftlich zu befragen und eine
Gruppendiskussion mit den aktiven Mitgliedern des
LHR durchführen zu können. Der Forschungsantrag
wurde vor dem Hintergrund des Projekts „Gelingende
Beteiligung im Heim“ (vgl. Wolff/Hartig 2013) gestellt
und zeitnah genehmigt. Umgesetzt wurde die Befra-
gung von dem Studenten Jan Thomas van Calker
unter Anleitung von Prof. Dr. Mechthild Wolff und
Ende 2016 abgeschlossen. Die Ergebnisse der Studie
ermöglichen nunmehr einige statistisch abgesicherte
Erkenntnisse zu den erzielten Effekten des LHR. Nach-
folgend werden die Fragestellungen und das methodi-
sche Vorgehen der Studie skizziert und dann anschlie-
ßend einige zentrale Ergebnisse der Befragung der Ju-
gendlichen sowie übergreifende Schlussfolgerungen
aufgezeigt.
2. Forschungsfragen, Befragungsgruppen
und Methoden der Studie sowie Rücklauf
Die durchgeführte Befragung in bayerischen Heimen
und Wohngruppen sollte Aufschluss über den generel-
len Stand der Umsetzung von Beteiligungsmöglichkei-
ten für Kinder- und Jugendliche in stationären Einrich-
tungen im Freistaat Bayern geben. Zudem sollten
Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie die Ar-
beit des LHR Bayern von den Jugendlichen einge-
schätzt wird und welche Erfahrungen sie mit dem LHR
machen. Letztlich bestand das Erkenntnisinteresse
darin, zu ermitteln, ob Veränderungen der Beteili-
gungsmöglichkeiten in der Heimerziehung des Frei-
staates Bayern durch die Implementierung des LHR
Bayern nachzuweisen sind. Es geht damit um die
Frage, welche Effekte die alltäglichen Beteiligungs-
möglichkeiten in Heimen und Wohngruppen auf die
Beteiligungsmöglichkeiten im Rahmen des LHR gege-
benenfalls haben. Es stellt sich darum die Frage,
wie
Jugendliche in bayerischen Heimen und Wohngruppen
den LHR Bayern sehen. Zu fragen war darüber hinaus,
wie Jugendliche in bayerischen Heimen und Wohn-
gruppen ihren Heimrat sehen. Wichtig war auch, wie
die Jugendliche in bayerischen Heimen und Wohn-
gruppen die Tagung IPSHEIM einschätzen, wie sie Be-
teiligung in ihrem Heimalltag wahrnehmen und wie die
Mitglieder des LHR 2014/15 zum Thema Beteiligung
stehen.
Die befragten Jugendlichen in Heimen wurden als Be-
troffene und AkteurInnen im Rahmen von Beteili-
gungsprozessen in Heimeinrichtungen befragt. Die
Mitglieder des LHR werden als ExpertInnen für ihre ei-
genen Vorhaben angesehen, die TeilnehmerInnen der
Tagung „IPSHEIM V“ erweitern das Gremium des LHR
und werden vertraut gemacht mit den Vorhaben, Ab-
läufen und Ergebnissen der Arbeit des LHR. Sie alle
sind demnach „ExpertInnen in eigener Sache“, d.h. für
die Funktion des LHR, dessen Umsetzung und die För-
derung von Beteiligung.
Befragt wurden Kinder und Jugendliche im Alter ab 12
Jahren mit drei standardisierten quantitativen Befra-
gungsbögen, wobei sich einige Fragebatterien der Be-
fragung im Kontext des Projekts „Gelingende Beteili-
gung im Heim“ (vgl. Sierwald 2008) orientierten. Die
Fragebögen wurden so konzipiert, dass sie einen Ver-
gleich unter den verschiedenen Gruppen ermöglichten.
Es wurden auch Einrichtungsleitungen der Heimein-
richtungen Bayerns befragt, sie sind ExpertInnen für
den Beteiligungsstatus, die Weiterentwicklung von Be-
teiligungsstrukturen in den Einrichtungen sowie die
Verankerung von Beteiligungsmöglichkeiten. Diese Er-
gebnisse fließen aufgrund des geringen Rücklaufs in
diesen Kurzbericht nicht ein.
MITTEILUNGSBLATT
04-2017