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wenig Zugang zu externen Beschwerdestellen oder
-gremien haben.
4.4. Selbsteinschätzungen zum Effekt der Befähi-
gung zur Beteiligung und Mitarbeit in Gremien
Wie bereits oben beschrieben, heben sich die IPS-
HEIM-Jugendlichen in der Beantwortung der Fragen
zur Beteiligung im Heimrat und LHR von den Heimju-
gendlichen in den Antwortniveaus positiv ab. Dieser
Trend zeigt sich auch bei einer Fragenbatterie zu
Selbsteinschätzungen der Jugendlichen bzgl. mögli-
cher Befähigungseffekte durch eine Mitarbeit im Heim-
rat: 89 % der IPSHEIM-Jugendlichen stimmen der
Aussage zu, eine Tätigkeit als Heimrat ermögliche es
ihnen, etwas über Beteiligung zu lernen. 74 % sind der
Ansicht, die Arbeit als Heimrat befähige für eine Mitar-
beit im LHR. 78 % denken, sie motiviere auch dazu. Auf
der Ebene der Heime stimmen 79% der Heimräte unter
den Heimjugendlichen der Aussage „Im Heimrat habe
ich die Möglichkeit, etwas über Beteiligung zu lernen“
zu. 49 % der Heimjugendlichen geben an, die Mitarbeit
im Heimrat befähige sie für eine Mitarbeit im LHR,
69 % fühlen sich durch ihre Tätigkeit im Heimrat zu
einer Mitarbeit im LHR Bayern motiviert.
In der Gruppendiskussion mit den Mitgliedern des LHR
2014/15 dokumentieren die Beteiligten, welche beson-
dere Rolle der Tagung IPSHEIM von den im LHR täti-
gen Jugendlichen zugeschrieben wird. IPSHEIM wird
als Schutz- und Diskussionsraum begriffen, in dem
sich in besonderem Maße motivierte Heimjugendliche
miteinander frei über den LHR und über Beteiligungs-
themen austauschen können. Hier träfen sie nur Heim-
jugendliche an, die von sich sagen: „Ich will etwas
erreichen“. Die Jugendlichen würden sich hier weniger
nach Aussehen oder Gruppenzugehörigkeit beurteilen,
sondern nach der Fähigkeit argumentieren zu können
und nach dem damit verbundenen Potential, im LHR
etwas zu bewegen. IPSHEIM fungiert, nach den Aussa-
gen der LHR-Jugendlichen, als Vernetzungstreffen, als
von den Zwängen der Heimebene entrückter Aus-
tauschraum und als „Kaderschmiede“ der beteili-
gungsmotivierten Jugendlichen aus den Heimeinrich-
tungen.
In der Gruppendiskussion mit dem LHR 2014/15 wird
von den Jugendlichen gefordert, IPSHEIM zeitlich aus-
zudehnen und äquivalente Strukturen, vielleicht auch
dezentral, an zusätzlichen Orten anzubieten. Die vorlie-
genden Daten deuten darauf hin, dass das Konzept
IPSHEIMs durch eine Kombination aus Modellernen
und „Peer-Education“ in Workshops, freier Diskussion
und Vernetzung vor dem Hintergrund der Wahl der
Landesheimräte als Ort der Befähigung, Beteiligung
und Motivation in überzeugender Weise aufgeht. Die
IPSHEIM-Jugendlichen bilden eine besondere Gruppe,
die sich von den Heimjugendlichen in ihrem Bezug zu
Beteiligung und Beteiligungsgremien abhebt. Auch die
oben angesprochene „besondere Atmosphäre“ des
Austausches und des Engagements im Rahmen von
„Peer-Education“, dürfte hier eine Wirkung zeigen.
5.
Zusammenfassung und Schluss-
folgerungen
5.1. Gelingende Alltagsbeteiligung im Heim fördert
die Beteiligung an der Tagung IPSHEIM, die
ihrerseits die aktive Beteiligung am LHR Bayern
fördert
Angesichts aller Ergebnisse lässt sich ein Lerneffekt in
dem abgestuften Modell nachweisen: von der Alltags-
ebene im Heim, zur Tagung IPSHEIM hin zum LHR.
Dieser Lerneffekt zeigt sich zunächst in dem Befund,
dass der LHR Bayern von den befragten Heimjugendli-
chen der Erhebung als Vertretungsgremium angenom-
men wird: Ein Großteil von ihnen hält dieses Gremium
für grundsätzlich notwendig, die Jugendlichen, die den
LHR Bayern kennen, sind überwiegend mit seiner Ar-
beit zufrieden, sie schätzen die Aufgabenbereiche als
wichtig ein und die Arbeit des LHR in diesen Aufgaben-
bereichen als erfolgreich. Es besteht zudem eine Be-
reitschaft, im LHR Bayern auch selbst als Akteurin oder
Akteur mitzuwirken.
Ein Lerneffekt besteht zudem darin, dass sich durch die
Teilnahme an der Tagung IPSHEIM und die Mitwirkung
im LHR Bayern Heimjugendliche besser zur Gestaltung
von Beteiligung als selbstständige Akteure befähigt er-
leben. Diese Befähigung spiegelt sich in dem im Ver-
gleich zu den Heimjugendlichen ohne Tagungsteil-
nahme durchgehend höheren Kenntnisstand, einer hö-
heren Motivationslage und positiveren Selbsteinschät-
zungen der befragten IPSHEIM-Jugendlichen wider.
Die Tagung IPSHEIM und der LHR bündeln die Jugend-
lichen, die in den Heimeinrichtungen zur Beteiligung
motiviert werden und eröffnen ihnen ein überregiona-
les Netzwerk von gleichgesinnten Peers. Hier wird Aus-
tausch und Diskussion möglich, es gelingt aber auch
eine gewisse Politisierung: Es entsteht die Bereitschaft,
sich für die eigene Lage als Heimjugendlicher in Bay-
ern zivilgesellschaftlich zu engagieren.
Der LHR Bayern und die Tagung IPSHEIM erfüllen
MITTEILUNGSBLATT
04-2017