Table of Contents Table of Contents
Previous Page  13 / 24 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 13 / 24 Next Page
Page Background

13

T H EMA

gung IPSHEIM und im LHR werden dieselben Jugendli-

chen dann, wie oben geschildert, auf dem nächsthöhe-

ren Level befähigt und bilden sich wiederum weiter.

Die Heime sind somit Basis, zentrale Dreh- und Angel-

punkte und Befähigungsorte für diesen Prozess, der es

Heimjugendlichen ermöglicht, sich zuständig für die ei-

genen Belange zu fühlen und zu AkteurInnen in Sachen

Beteiligung zu werden. Hier entwickeln Jugendliche in

der Gemeinschaft Kompetenzen, um sich konstruktiv

streiten zu können, eigene Interessen zu vertreten, sich

in andere hineinzuversetzen und es aushalten zu kön-

nen, wenn man sich nicht durchsetzen kann.

Der Befähigungsprozess, der es Heimjugendlichen er-

möglicht, als selbstständige und selbstbewusste Ak-

teurInnen für ihre Rechte einzutreten und an Entschei-

dungsprozessen mitzuwirken, und der am Ende im

hochmotivierten und politisierten LHR-Jugendlichen

mündet, beginnt auf der Ebene der einzelnen bayeri-

schen Heimeinrichtung. Es liegt somit in der Verant-

wortung der Heime, über eine gelebte Beteiligungs-

kultur und professionelles Engagement letztlich auch

die Arbeit des LHR Bayern zu ermöglichen.

5.5. Heimjugendliche sehen einen hohen Bedarf für

Beschwerdemöglichkeiten, externe Beschwer-

demöglichkeiten fehlen in bayerischen Heimen

Für die Heimjugendlichen ist das Vorhandensein von

Beschwerdemöglichkeiten von zentraler Bedeutung.

Sie wird von den Jugendlichen als Aufgabe des LHR

und der Heimräte mit höchster Priorität nachgefragt.

Die Nachfrage nach Beschwerdestellen ist so heraus-

stechend hoch, dass vermutlich davon ausgegangen

werden kann, dass aktuell vorhandene Beschwerde-

stellen von den Jugendlichen als nicht ausreichend

wahrgenommen werden. Die Jugendlichen geben

zudem an, sich bei Beschwerden fast ausschließlich

heimintern oder im System der Jugendhilfe (Jugend-

amt) äußern zu können.

Wie sich hier die Zusammenhänge gestalten und ob

solche Zusammenhänge existieren, kann die vorlie-

gende Studie an dieser Stelle nicht beantworten, hier

besteht weiterer Forschungsbedarf. Dass eine externe

Beschwerdestelle (wie etwa eine Ombudsstelle) hier

eine Bedarfslücke schließen würde und für die befrag-

ten Heimjugendlichen die Frage nach Beschwerde-

möglichkeiten von zentraler Bedeutung ist, kann an

dieser Stelle aber bereits festgehalten werden.

Für diese Kurzfassung der Studie verwendete Literatur

Bayerisches Landesamt für Statistik (2016): Kinder- und

Jugendhilfe in Bayern 2015; Ergebnisse zu Teil I: Erzie-

herische Hilfen und Ergebnisse zu Teil IV: Ausgaben

und Einnahmen. Fürth.

Mayring, Philipp (2010): Qualitative Inhaltsanalyse.

Grundlagen und Techniken. 11., aktualisierte und über-

arb. Aufl. Weinheim: Beltz.

Sierwald, Wolfgang (2008): „Gelingende Beteiligung

im Heimalltag“. Eine repräsentative Erhebung bei

Heimjugendlichen. In: Dialog Erziehungshilfe, H. 2/3,

S. 35 – 38.

Wolff, Mechthild; Hartig, Sabine (2013): Gelingende Be-

teiligung in der Heimerziehung. Ein Werkbuch für Ju-

gendliche und ihre BetreuerInnen. Weinheim: Beltz

Juventa.

Autorin & Autor

Prof. Dr. Mechthild Wolff, Dozentin für erziehungswis-

senschaftliche Aspekte Sozialer Arbeit an der Hoch-

schule Landshut; Studiengangsleiterin des

BA-Studiengangs Soziale Arbeit in der Kinder- und Ju-

gendhilfe.

Jan Thomas van Calker, Student im 7. Semester des

Studiengangs Soziale Arbeit in der Kinder- und Ju-

gendhilfe an der Hochschule Landshut.

Kontakt:

Hochschule Landshut, Fakultät für Soziale Ar-

beit, Am Lurzenhof 1, Tel. 0871 506439, 84036 Lands-

hut, E-Mail:

mwolff@haw-landshut.de

MITTEILUNGSBLATT

04-2017

J A N T H O M A S

V A N C A L K E R

M E C H T H I L D

W O L F F