Erziehungsbeistand, Betreuungshelfer

Die Erziehungsbeistandschaft zählt zu den klassischen ambulanten Hilfen zur Er­ziehung. Sie ergänzt und unterstützt die familiäre Er­zie­hung und bezieht das soziale Umfeld soweit wie möglich in die Arbeit mit ein. Die unterschiedlichen sozial­pä­da­go­gischen Methoden und Arbeitsformen wie soziale Einzelhilfe, soziale Gruppenarbeit, Eltern­arbeit und Familienarbeit können sich also auf den einzelnen jungen Menschen wie auf die Familie oder - je nach Problematik und Gegebenheiten - auf sonstige, für den jungen Menschen wichtige Lebensbereiche beziehen.

Rechtsgrundlage

Sozialpädagogische Fachkräfte begleiten über einen längeren Zeitraum junge Men­schen, die ohne diese individuelle und persönliche Unter­stützung mit ihrer fa­mi­liä­ren oder sozialen Lebenssituation nicht mehr zurechtkommen würden. Die Entscheidung über die im Einzelfall angezeigte Hilfeart ist unter aktiver Einbeziehung der Sorge­be­rech­tig­ten und des betroffenen jungen Menschen im Zusammenwirken der betroffenen Fachkräfte vom Jugendamt zu treffen. Da es sich bei Erziehungs­bei­stand­schaft und Betreuungshilfe um eine für vor­aus­sicht­lich längere Zeit zu leistende Hilfe handelt, ist ein Hilfeplan­ver­fahren durch das Jugendamt erforderlich. Der § 36 SGB VIII und der § 36a SGB VIII gelten entsprechend.

Diese Hilfeform basiert auf den Grundsätzen der Kinder- und Jugend­hilfe, ins­be­son­dere auf Freiwilligkeit und aktiver Mitwirkungs­bereitschaft der jungen Menschen. Zu­sätz­lich gibt es jedoch einen zweiten Zugang zu dieser Leistung. Das Jugendgericht kann gemäß § 10 Abs. 1 S. 3 Nr. 5 Jugendgerichtsgesetz (JGG) oder § 12 Nr. 1 JGG jugendlichen oder heranwach­senden jungen Menschen die Weisung erteilen, sich der Betreuung und Aufsicht einer bestimmten Person (Betreuungshelfer) zu unter­stellen oder dem Jugendlichen nach Anhörung des Jugendamts auferlegen, eine Hilfe zur Erziehung im Sinne des § 30 SGB VIII in Anspruch zu nehmen. Mit der Ver­pflich­tung zur Inanspruchnahme kann das Jugendgericht nur den Jugendlichen selbst binden, nicht aber die Träger der öffentlichen Jugendhilfe.

Aufgaben des Landesjugendamtes

Das Landesjugendamt unterstützt die Jugendämter und die diese Aufgaben wahr­neh­men­den freien Träger durch Beratung in schwie­ri­gen Einzelfällen, durch Hilfen bei der konzeptionellen Weiter­ent­wicklung der Jugendhilfeangebote, durch Fortbildungs­an­ge­bo­te sowie die Entwicklung Fachlicher Empfehlungen.

Fachbeiträge und Publikationen

Veröffentlichungen des Landesjugendamts

Kaiser, Florian: § 30 SGB VIII: Erziehungsbeistand und Betreuungshelfer, erschienen in: Macsenaere, Michael, Esser, Klaus, Knab, Eckhart und Hiller, Stephan (Hg.): „Handbuch der Hilfen zur Erziehung“, Lambertus-Verlag, Freiburg im Breisgau, 2014.

ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt: Rechtsanspruch auf Hilfe zur Erziehung verteidigen durch Qualifizierung der Steuerungs­prozesse in der Einzelfallhilfe; Jahresbericht 2011, S. 36 – 52; München 2012
Das Dokument wird demnächst barrierefrei eingestellt.

Weitere empfohlene Veröffentlichungen

Landesjugendamt Westfalen (LWL) & Landesjugendamt Rheinland (LVR): Aushandlung ambulanter Erziehungshilfen mit freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe. Eine Arbeitshilfe für Jugendämter, Münster / Köln, 2013

Bundesverband für Erziehungshilfe (AFET) e.V. (Hrsg.): AFET-Modell der Fachleistungsstunden für ambulante Erziehungshilfen, AFET-Arbeitshilfe Nr. 1/2012

Frindt, Anja: Ambulante Erziehungshilfen – Allheilmittel, Kontrollinstrument oder wirksame Hilfe?, erschienen in: Unsere Jugend, 62, Jg., S. 6 - 4; 2010